• 22.01.2026
  • Interview

Branchensoftware-Check: Klare Antworten auf Ihre Fragen zu Branchenlösungen!

Auswahl und Einführung der passenden Branchensoftware kann für Betriebe eine echte Herausforderung sein. Wir haben zu diesem Thema deshalb den Digitalisierungsfachmann Heiko Fischer von www.100prozent.digital befragt.

Geschrieben von Jürgen Bürkel

Portraitfoto Heiko Fischer

Auswahl und Einführung der passenden Branchensoftware kann für Betriebe eine echte Herausforderung sein. Wir haben zu diesem Thema deshalb den Digitalisierungsfachmann Heiko Fischer von www.100prozent.digital befragt. Er begleitet in seiner Arbeit seit vielen Jahren Handwerksunternehmer:innen auf ihrem Weg in die Digitalisierung, gibt konkrete Handlungsempfehlungen, konzipiert Workshops und gibt sein Wissen so direkt an Entscheider:innen in den Betrieben weiter.

In diesem Interview liefert Heiko Fischer klare Antworten auf zentrale Fragen rund um Branchenlösungen. Wir sprachen unter anderem über Auswahlkriterien, wirtschaftliche und praktische Aspekte der Einführung bis hin zu den wichtigsten Eigenschaften und Funktionen, die eine moderne, zukunftssichere Branchenlösung im Handwerksbetrieb heute mitbringen muss.

 

Heiko Fischer, Handwerksunternehmer:innen haben täglich unterschiedliche Rollen in Werkstatt, Baustelle und Büro auszufüllen. Wie kann eine Branchensoftware diesen „analogen Stress“ konkret auflösen?

Die Unternehmungsführung muss immer den Überblick über ihr Unternehmen haben. Mein Onkel hatte im letzten Jahrhundert einen Stahlbaubetrieb. Der Überblick über sein Unternehmen, das in Hochzeiten rund 70 Mitarbeiter hatte, war zum einen in seinem Kopf. Seine „Datenquelle“ waren leitende Mitarbeiter und Leitzordner. Das ist nicht die Vorstellung von Überblick, die ich heue für einen zukunftsfähiges Unternehmen habe. Die Branchensoftware ist technologisch in der Lage, einen Überblick auf Knopfdruck zu bringen – vorausgesetzt, es werden die richtigen Daten richtig erfasst!

 

Wie erkennt der Unternehmer, die Unternehmerin den richtigen Zeitpunkt für die Investition in eine Branchensoftware?

Wenn er oder sie den Eindruck hat, das alles zu viel wird und einem buchstäblich „alles über den Kopf wächst“. Spätestens dann wird es Zeit sich generell Gedanken zum Unternehmen zu machen. Dabei sollte schnell mit einbezogen werden, wie Technologie weiterhelfen kann. Ob es dann der richtige Zeitpunkt ist, hängt von weiteren Faktoren ab wie zum Beispiel: Bin ich bereit zu verändern? Bin ich bereit zu investieren? Bin ich bereit, mich mit Widerständen meiner Mitarbeiter zu beschäftigen, um nur einige zu nennen.

 

Welche zentralen Kriterien muss eine moderne Branchensoftware für die Gewerke Fensterbau, Holzhandwerk, etc. unbedingt erfüllen, um zukunftssicher zu sein und die Investition zu schützen bzw. wirtschaftlich nachhaltig zu machen?

Bei der Beantwortung der Frage geht es mir nicht unbedingt um die Funktionen. Um die Zukunftsfähigkeit zu beurteilen, spielen andere Kriterien eine wichtige Rolle, zum Beispiel: 
-    Wie wurde die Software programmiert und wie alt ist die Datenbank, mit der sie arbeitet? 
-    Ist die Software eine „Pure Cloud“ Software? 
-    Kann man einfach Benutzer entfernen und / oder dazunehmen?
-    Gibt es ein Dashboard, das am besten individuell angepasst werden kann?
-    Sind die gängigen Schnittstellen vorhanden?

Die Liste würde sich noch ein bisschen verlängern lassen. Es ist wichtig zu wissen, dass es mehr zu beurteilen gibt als „nur“ die Funktionen.

 

Welche aktuellen staatlichen oder regionalen Förderprogramme kann ein Betrieb heute noch in Anspruch nehmen, um die Kostenbelastung für eine neue Branchensoftware zu senken?

Zu den Förderprogrammen lassen sich folgende wichtige Dinge mitteilen:

  1. Die Beratungsförderung steht im Vordergrund. Das heißt, man möchte von Förderseite dafür sorgen, dass durch externe Berater das Know-how in den Betrieben schneller erhöht wird.
  2. Es gibt wenige Programme, die die Investition, z. B. in Hard- und Software, fördern.
  3. Es gibt nur ein bundesweites Förderprogramm. Wenn man mehr möchte, muss man sich zu den jeweiligen Fördermaßnahmen in seinem Bundesland schlau machen.

 

Welche Bedeutung hat aus ihrer Sicht die Integration von Künstlicher Intelligenz im Bereich Branchensoftware?

KI ist im Moment ein großes Hype-Thema. Eins vorweg: KI hat, richtig eingesetzt auf jeden Fall Vorteile, beispielsweise in standardisierten Abläufen. Dafür braucht eine KI konsistente Daten. Diese fehlen in vielen Unternehmen. Ich bin der Meinung, dass die Softwareanbieter das Thema KI in ihre Produkte integrieren müssen. Ich bin kein Freund von komplexen Systemen mit verschiedenen Tools und Schnittstellen.

 

Ihre Empfehlung zum Schluss: Wie lautet ihr Rat an Unternehmer:innen, wenn sie mit den Software-Anbietern sprechen?

Ich finde es wichtig, vorbereitet in die Gespräche zu gehen. Man sollte selbst wissen, was man sucht und schon die Anforderungen an eine Software kennen. Dann kann man viel konkretere Gespräche führen.

Vielen Dank für diese aufschlussreichen Hinweise!

 

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Portraitfoto Jürgen Bürkel
Jürgen Bürkel
Redaktion 100 PROZENT DIGITAL