Europäische Fachmesse für Maschinentechnologie und Fertigungsbedarf

19 - 22. März 2024 // Nürnberg, Germany

HOLZ-HANDWERK Newsroom

10 Fragen und Antworten rund um die Mitarbeitergewinnung im Handwerk!

Foto Mitarbeiter
© benzoix - www.freepik.com

Die Mitarbeiter gehören mit zum wichtigsten „Kapital“ Ihres Unternehmens. Dagegen steht der Fachkräftemangel in vielen Gewerken des Handwerks. Um so wichtiger ist es, dass Sie Ihr Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber entwickeln und positionieren. Laut Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) informieren nur knapp 15 Prozent der befragten Unternehmen auf ihrer Website explizit über sich als Arbeitgeber. Eine von vielen Aufgaben, die in den allermeisten der kleinen Unternehmen dem Unternehmer selbst zugeschrieben werden. Die Digitalisierung der Arbeitsabläufe, ein modernes Arbeitsumfeld und eine zeitgemäße Arbeits- bzw. Unternehmenskultur gehören sicher mit zu den heute wichtigen Assets, mit denen ein Handwerksbetrieb für sich als Arbeitgeber werben kann. Wir beantworten an dieser Stelle 10 Fragen aus diesem Themenkreis.

1. Welche Bedeutung hat die Eigenverantwortung in einer modernen, durch Digitalisierung geprägten Arbeitskultur?

Traditionell hierarchische Machtbefugnisse sollten heute der Vergangenheit angehören. Setzen Sie lieber auf die Selbstständigkeit Ihrer Mitarbeiter. Stellen Sie Fragen, hören Sie zu und treffen Sie gemeinsam Entscheidungen, die Sie auch gemeinsam umsetzen und mittragen. Sie schaffen so ein Klima der Offenheit, der Nähe und der Identifikation. Dies kann der Nährboden für berufliche Kreativität und Innovationsfähigkeit sein. Schließlich haben Sie in der digitalen Arbeitswelt die Möglichkeit, Ihre Mitarbeiter über alle Hierarchieebenen und Funktionen hinweg zu Wissensträgern, Informationsgebern und -nutzern zu machen. Dafür benötigen Sie „schlaue“ digitale Lösungen, die alle Möglichkeiten des Dialogs bzw. der Zusammenarbeit unterstützen.

2. Wie kann ich Zusammenarbeit in meinem Betrieb neu definieren?

Zusammenarbeit verändert sich im Kontext der Digitalisierung. Neue Verhaltensformen, Regeln und vor allem die Nutzung digitaler Technologien sind Lernaufgaben, für die man offen sein muss.

Diese Herausforderung hat konkrete Auswirkungen, unter anderem auf

  • die Arbeitsumgebung durch die Gestaltung eines digital gestützten Arbeitsplatzes sowie die Organisation der dafür nötigen Technologie,
  • die Zusammenarbeit durch veränderte Formen der Kommunikation und anzupassende Teamregeln,
  • die Führung von Teams und Unternehmen durch das Verteilen von Verantwortung und sich somit verändernden Rollen,
  • den Wissensaustausch untereinander und mit Externen durch die Bereitstellung von Wissen in virtuellen Strukturen und die sich demzufolge verändernde Art des Wissenszugriffs.

Je einfacher die hierfür benötigten digitalen Werkzeuge in der Bedienung sind, desto besser und schneller können Sie Ihre Zusammenarbeit digital „tunen“.

Die Chancen liegen in der besseren Abstimmung zwischen räumlich verteilten Mitarbeitern und Teams mit wechselnder Zusammensetzung bzw. hohem Bedarf an aktuellem Projektwissen, in der Möglichkeit der Steuerung von Managementteams über verschiedene Unternehmensstandorte hinweg, in der Flexibilisierung der Arbeitszeiten von Mitarbeitern, in der Einbindung von externem Expertenwissen in interne Teams, in der Dynamisierung der Organisation hinsichtlich ihrer Standorte und in der Verfügbarkeit von digitalen Werkzeugen.

3. Wie kann ich die Spielregeln in meinem Unternehmen für die digitale Arbeitswelt neu definieren?

Ihrer und der Aufgeschlossenheit Ihrer Mitarbeiter für (digitale) Technologie ist in diesem Zusammenhang eine große Rolle beizumessen. Wenn Sie die (neuen) Spielregeln gut vermitteln und einhalten, können alle Beteiligten gleichermaßen von der Arbeit in einem zukunftsorientierten Handwerksunternehmen profitieren:

  • Entwickeln Sie eine Arbeitskultur, die Präsenz und Wirkung Ihres Unternehmens gegenüber Ihren Kunden wertschätzt! Kunden wollen mitmachen. Es ist ihnen wichtig, sich hier und jetzt zu äußern, Erfahrungen auszutauschen und Feedback zu geben. Der aktive und offene Dialog zwischen Ihren Mitarbeitern und Ihren Kunden ist ein entsprechend wichtiger Baustein auf der digitalen Kundenreise von der ersten Anfrage über die Auftragserteilung bis zur Betreuung darüber hinaus!
  • Fördern Sie die Kompetenzen Ihrer Mitarbeiter, damit sie Spaß am Umgang mit digitalen Tools haben! So schöpfen Sie deren Potenziale voll aus. Neben „Learning by Doing“ sollten Sie die Teilnahme an Weiterbildungen für die effektive Nutzung digitaler Werkzeuge fest vereinbaren und fördern.
  • „Investieren“ Sie in neue Führungskonzepte! Während „traditionelle“ Führungsmodelle vor allem mit Hierarchie und Restriktion (auch von Informationen!) arbeiten, stehen Kooperation, Kommunikation und das Teilen von Wissen im Zentrum moderner digitaler Führung. Ein solcher kooperativer Führungsstil birgt offensichtliche Vorteile – und bringt mehr Spaß!

4. Wie wichtig ist eine offene Kultur für die Veränderung?

Offenheit wirkt sich sehr positiv auf den Mut jedes Einzelnen aus, mehr auszuprobieren. Mit der Digitalisierung entstehen für die kreativen und wendigen Köpfe im Unternehmen Möglichkeiten, Mehrwerte in Form von Prozess-, Produkt- und Service-Innovation schneller und zielgerichteter zu denken und (intern) zu kommunizieren.

5. Wie schaffe ich ein Arbeitsklima, das meinen Mitarbeitern das nötige Maß an Selbstverantwortung und Freiheiten einräumt?

Setzen Sie dafür auf vorhandene Interessen, Wissen sowie Erfahrung. Fördern Sie Potenziale, statt „nur“ Unternehmensziele festzulegen und durchzusetzen. Vernetzen Sie Ihre Mitarbeiter sowohl mit Plattformen als auch mit Experten, um mehr Wissen für bessere Entscheidungsprozesse und schnellere Lösungswege zu ermöglichen.

Die digitale Arbeitswelt braucht auch Partizipation. Die Karriereplanung in der digitalen Arbeitswelt geht nicht nur jene etwas an, die ihren eigenen Werdegang steuern möchten. Betroffen sind auch diejenigen, die ihn zu bewerten haben, also Sie als Chef bzw. Unternehmer. Deshalb muss klar sein, dass immer weniger „Top-down“-Entscheidungen gefragt sind.

In unserem sich durch Digitalisierung verändernden Umfeld macht eine „Kultur der Partizipation“, Stichwort „Weisheit der vielen“, Ihr Unternehmen als Arbeitgeber attraktiv. Das ist heute extrem wichtig, wenn es darum geht, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten.

6. Wie ist der Begriff „Partizipation“ in diesem Zusammenhang zu verstehen?

Der Begriff Partizipation lässt sich im Kontext der Digitalisierung und der damit einhergehenden Veränderungen der Arbeitskultur unterschiedlich interpretieren und umsetzen. Neben einer „echten“ Beteiligung am Unternehmen gibt es beispielsweise folgende Ideen:

  • Teilnahme, also die Möglichkeit, sich an allen Belangen im Unternehmen aktiv zu beteiligen;
  • Teilgabe, also sich zum Beispiel mit Wissen, Informationstransfer oder „zusätzlicher“ Expertise einzubringen;
  • Teilhabe, also zum Beispiel an Veränderungs- bzw. Lösungsprozessen aktiv mitzuwirken.

Diese Aspekte bieten die Möglichkeit, die Mitarbeiter ihren Fähigkeiten entsprechend in den digitalen Veränderungsprozess des Unternehmens einzubinden.

7. Welche Herausforderungen ergeben sich durch die Digitalisierung der Wirtschaft für mich als Unternehmer?

Dass die Digitalisierung längst auch einen kulturellen Wandel der Arbeit in Gang gesetzt hat, ist klar. Dieser basiert, wie beschrieben, (auch) auf der Vielfalt der Lebensentwürfe, einem modernen, partnerschaftliche(re)n Rollenverständnis sowie dem Wunsch nach mehr Zeitsouveränität bzw. einer individuell „einstellbaren“ Work-Life-Balance bei allen Beteiligten.

Diese Veränderung hat unweigerlich auch Konsequenzen für Sie als Chef respektive Unternehmer – unabhängig von Gewerk oder Unternehmensgröße. Sie erzeugt neue Anforderungen, die es aufzulösen gilt:

  • radikaler Wandel der Märkte und Erlösmodelle durch neue Technologien
  • Veränderung und Erweiterung von Wertschöpfungsketten
  • wachsendes Tempo im (Tages-)Geschäft durch veränderte Kundenansprüche
  • 24/7-Verfügbarkeit
  • zunehmende Multikulturalität durch die Notwendigkeit, Fachkräfte aus anderen Ländern bzw. Kulturen als bisher in das Unternehmen einzubinden
  • technologische Anforderungen an den Informationsfluss und die Bewältigung der Informationsflut
  • kollaboratives Arbeiten und die Erfüllung von Regeln und Gesetzen

Neue Führungskonzepte müssen also her, um die Kombination menschlicher Kompetenz und beruflicher bzw. technischer Fähigkeiten zu ermöglichen. Außerdem ist es wichtig, die Mitarbeiter mitwirken und mitgestalten zu lassen. Unterstützen Sie daher kreatives Denken in Ihrem Unternehmen – sowohl auf Leitungsebene als auch bei Ihren Mitarbeitern.

8. Was haben digitales Wissensmanagement und der Fachkräftemangel im Handwerk miteinander zu tun?

Angesichts des aktuellen Fachkräftemangels sind Sie gut beraten, im Unternehmen ein Klima der offenen Kommunikation und der gegenseitigen Unterstützung zu initiieren. Investieren Sie in die technologischen und organisatorischen Strukturen, die die Zeit und die Möglichkeiten schaffen, das existierende und täglich neu entstehende Wissen in Ihrem Unternehmen digital zu dokumentieren, zu archivieren und bei Bedarf abteilungsübergreifend und aufgabenbezogen bereitzustellen.

Was gutes digitales Wissensmanagement wert ist, wird sich spätestens dann zeigen, wenn qualifizierte und erfahrene Mitarbeiter – aus welchen Gründen auch immer – das Unternehmen verlassen: Deren Wissen steht dann weiterhin zur Verfügung – für diejenigen, die da sind, und diejenigen, die noch kommen werden!

9. Wie kann ich (digitale) Innovationskompetenz in meinem Betrieb aufbauen?

Eine sicherlich umsetzbare Möglichkeit ist es, einen „Arbeitskreis Digitalisierung“ ins Leben zu rufen. Das Ziel: die Einbindung digitaler Technologien in Ihr vorhandenes Kerngeschäft, um effizienter zu arbeiten, aber auch dessen Erweiterung und Ergänzung mithilfe digitaler Services.

Laden Sie dazu Mitarbeiter ein, die Interesse daran haben, gemeinsam mit Ihnen die „Nase in den Wind zu strecken“. Binden Sie auch Gleichgesinnte aus Ihrem geschäftlichen Netzwerk mit ein, die möglicherweise schon Erfahrungen gesammelt haben und bereit sind, diese mit Ihnen zu teilen.

Machen Sie sich für die Entwicklung Ihrer Ideen schon digitale Planungstools wie beispielsweise das Business Model Canvas (BMC) zunutze. Mit BMC bekommen Sie ein geniales Werkzeug, mit dem Sie Projekte schnell und transparent nach der Art von „Post-it“-Haftnotizen schnell und einfach entwickeln, strukturieren, visualisieren und testen können. Nebenbei bekommen alle Beteiligten schon mal Übung im Umgang mit einem cloudbasierten digitalen Werkzeug!

10. Wie kann ich Maßnahmen für den (digitalen) Informationsaustausch und die Zusammenarbeit im Unternehmen und mit Geschäftspartnern voranbringen?

Als Erstes stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter aktuelle Smartphones, Tablets oder Notebooks sowie berufsbezogene digitale (also vernetzbare) Geräte – beispielsweise für die Aufmaßerstellung – im Tagesgeschäft uneingeschränkt nutzen können. Und dann schaffen Sie genau die „kollaborativen Rahmenbedingungen“, die zu Ihnen passen.

Man unterscheidet in dem Zusammenhang drei Formen der Zusammenarbeit:

  • Team Collaboration: Bei der unternehmensinternen Zusammenarbeit, der Team Collaboration, geht es weniger um eine funktionale Aufgabenteilung innerhalb von Abteilungen. Vielmehr steht die bereichsübergreifende Projektarbeit im Mittelpunkt.
  • Cross-Company Collaboration: Bei der digitalen Vernetzung und Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern in Form von Cross-Company Collaboration könnten sich zum Beispiel unternehmensübergreifende Geschäftsabläufe und Entscheidungen in Projekten beschleunigen.
  • Mass Collaboration: Die Mass Collaboration gewinnt immer mehr an Bedeutung. Sie vernetzen Ihre Mitarbeiter beispielsweise über einen professionellen Messengerdienst, sorgen für den Wissensaustausch und verbessern die Zusammenarbeit. Auch Business-Netzwerke, wie zum Beispiel XING und LinkedIn, lassen sich hierfür gut nutzen.

Erfolgreich ist Collaboration – sowohl intern als auch extern – dann, wenn die Unternehmens- bzw. Arbeitskultur dazu passt. Also: Offenheit, gemeinsame Ziele im Sinne der Unternehmensstrategie, ein Quäntchen Mut nicht zu vergessen.

Das Forum „Digitalisierung praktisch gestalten im Handwerk“ ist der Schmelztiegel der umsetzungsorientierten Digitalisierung auf der FENSTERBAU FRONTALE und HOLZ-HANDWERK 2022 in Nürnberg. Dort finden Sie vom 12.07.– 15.07.2022 an vier Tagen für sich und Ihr Unternehmen den richtigen Weg in die eigene Digitalisierung. Informationen, Inspiration und konkretes Wissen zu diesem und vielen weiteren Themen gibt es live in Form von Power-Interviews und im persönlichen Austausch mit Digitalisierungsexperten und Handwerkskollegen.

top